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Autor:
Dietrich Schenke
 
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Energieeinsparverordnung: Hauseigentümer müssen bis Jahresende oberste Geschossdecken dämmen

 

Laut Energieeinsparverordnung sind Hauseigentümer verpflichtet, bis 31.12.2011 begehbare, bisher ungedämmte oberste Geschossdecken oder alternativ die Dachschrägen zu dämmen. Aus energetischer Sicht ist es vor dem Hintergrund steigender Heizkosten sinnvoll, Häuser vom Keller bis zum Dach vor Wärmeverlust zu schützen. Dieser Schutz sollte möglichst lückenlos sein. Wenn es nicht möglich oder sinnvoll ist, die Dachschrägen zu dämmen, kann die oberste Geschossdecke gedämmt werden.

Die Landesbauordnung Schleswig-Holstein schreibt für Dachräume vor, dass eine lichte Raumhöhe von mindestens 2,30 m über mindestens der Hälfte ihrer Grundfläche gewährt sein muss. Kann diese Anforderung nicht eingehalten werden, kann der Dachraum nur als Dachboden genutzt werden. Auch wenn die Balkenlage zu sperrig ist oder die Ausbaukosten zu hoch erscheinen, kann es sein, dass ein Dachboden nicht als Wohnraum genutzt wird. Dann muss die an den Dachraum grenzende oberste Geschossdecke des darunter liegenden  beheizten Raums gedämmt werden. Im klassischen Einfamilienhaus mit einem Obergeschoss und nicht ausgebautem Dachboden muss also die Decke zwischen Obergeschoss und Dachboden bis 31.12.2011 von den Hauseigentümern gedämmt werden.

Wie müssen Hauseigentümer sich ab 31.12.2011 verhalten?

Die Energieeinsparverordnung schreibt derartige Dämmmaßnahmen zwar vor, regelt aber keine Sanktion, wenn hiergegen verstoßen wird. Wer der Dämmpflicht also nicht nachkommt, macht sich weder strafbar, noch riskiert er ein Bußgeld oder eine andere Strafe.

Dennoch stellt sich für viele Hauseigentümer die Frage, wie sie sich ab dem 31.12.2011 zu verhalten haben. Denn wer sein Haus verkaufen möchte, muss dem Käufer auf Verlangen einen Energieausweis aushändigen. Wer ein Haus oder eine Wohnung vermietet, muss unter Umständen damit rechnen, dass der Mieter zu hohe Heizkosten als Mietmangel einwendet und daher die Miete mindert. Ob zukünftig Sanktionen greifen werden, wenn die Dämmpflicht missachtet wird, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.
Hauseigentümer können sich also über die Dämmpflicht hinwegsetzen. Sie verstoßen dann zwar gegen die Vorgaben der Energieeinsparverordnung, haben aber keine Strafe zu befürchten. Wer vermietet oder verkaufen möchte, sollte abwägen, ob die Investition in eine bessere Energiebilanz des Hauses getätigt werden soll zur Vermeidung von Nachteilen. Ein offenes Wort mit dem Käufer oder Mieter kann dabei nicht schaden. Auf keinen Fall darf ein Kaufinteressent über eine schlechte Energiebilanz des Hauses im Unklaren gelassen werden, wenn er eigentlich erwartet, dass das Haus den Vorgaben der Energieeinsparverordnung entspreche. Dann drohen erhebliche Schadensersatzansprüche des Käufers. Wenn ein Vermieter Dämmmaßnahmen durchführen möchte, muss der Mieter diese dulden und zulassen. Der Vermieter kann außerdem eine Modernisierungsmieterhöhung verlangen.

Ausnahmen von der Dämmpflicht

Folgende Ausnahmen von der nachträglichen Dämmpflicht gelten:

  • Für Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern besteht die Dämmpflicht nicht, wenn sie ihre Häuser am 1. Februar 2002 selbst bewohnt haben. Im Falle eines Eigentümerwechsels hat der neue Eigentümer zwei Jahre Zeit, der Pflicht nachzukommen.
  • Die Dämmpflicht besteht nicht bei Ferienhäusern oder anderen Häusern, die weniger als vier Monate im Jahr genutzt werden.
  • Die Dämmpflicht besteht nicht, wenn die Kosten für die Dämmung nicht durch die Energieeinsparung innerhalb einer angemessenen Frist erwirtschaftet werden können. Die Baubehörden werden festlegen, welche Amortisationsfristen als angemessen angesehen werden. Stehen die Dämmkosten in keinem vernünftigen Verhältnis zur Energieeinsparung, kann bei der zuständigen Baubehörde eine Befreiung von der Dämmpflicht wegen unbilliger Härte beantragt werden.
  • Nach aktueller Auslegung der Energieeinsparverordnung gelten alle massiven Deckenkonstruktionen, die seit 1969 errichtet wurden, sowie sämtliche Holzbalkendecken aller Baualtersklassen als bereits gedämmt. Eine Dämmpflicht besteht dann nicht.

Folgen der Dämmpflicht

Die Vorgabe der Energieeinsparverordnung, oberste Geschossdecken bis zum Jahresende zu dämmen, dürfte für erhebliche Verunsicherung unter Hauseigentümern sorgen. Handwerker werden möglicherweise mit regem Zulauf rechnen können. Fachleute warnen allerdings auch davor, dass zu strenge staatliche Auflagen zur energetischen Gebäudesanierung ohne entsprechende Anreize zu einem Rückgang des Wohnungsbaus und zu Verzögerungen bei der Gebäudesanierung führen könnten. Ein neues Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, wonach Hauseigentümer Handwerkerkosten, die zu einer Verbesserung der Energieeffizienz eines Hauses führen, als Sonderbetriebsausgaben in voller Höhe von der Steuer abgesetzt werden können, ist zunächst im Bundesrat gescheitert. Ohne Hauseigentümern finanzielle Anreize zu geben, in die energetische Sanierung von Bestandsimmobilien zu investieren, werden Vorgaben der Energieeinsparverordnung möglicherweise Wunschträume des Verordnungsgebers bleiben.

 

Stand 10/2011

   
 
   
 
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