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Autor:
Michael Schulze
 
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Führerschein im Alter

 

Kaum ein Tag vergeht, an dem in dem Medien Berichte über Unfälle auftauchen, die von Senioren, häufig zwischen 75 und fast 90 Jahren alt, verursacht wurden. Die zum Teil auffälligen Unfallverläufe haben häufig ihre Ursache in einer altersbedingten Fahruntüchtigkeit der betreffenden Fahrzeuglenker(innen). Als Konsequenz ergibt sich eine dauerhafte Entziehung der Fahrerlaubnis (FE), sofern die Betreffenden nicht schon freiwillig darauf verzichten.

 

Soweit sollte es niemand kommen lassen. Das setzt allerdings die Einsicht in die Möglichkeit des Auftauchens altersabhängiger körperlicher oder geistiger Schwächen voraus, die sich negativ auf die Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen, auswirken können. Es handelt sich ggf. um einen schleichenden und deshalb zumeist nicht bemerkten, vielleicht auch verdrängten Prozess. Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit sowie Hör- und Sehvermögen, sämtlich unverzichtbar für den Straßenverkehr, lassen nach. Auch Medikamente, einzeln oder in Wechselwirkung, können die Fahrtüchtigkeit massiv beeinträchtigen. Jedenfalls insoweit kann die Beratung des behandelnden Arztes oder eines Apothekers helfen, auf die Risiken einer Medikamenteneinnahme für die Fahreignung aufmerksam zu machen und sich entsprechend zu verhalten. Der Gesetzgeber zwingt bislang, trotz vereinzelter Vorschläge, niemanden zu einer Überprüfung seiner fahrerischen Fähigkeiten im Alter. Andere europäische Länder, wie z. B. die Niederlande, England oder Schweden fordern von Autofahrern ab 70 Jahre einen Gesundheitscheck, der in Abständen zu wiederholen ist. Laut Statistischem Bundesamt, bezogen auf das Jahr 2011, waren über 75jährige Autofahrer zu 76 % Verursacher an einem Unfall unter Beteiligung dieser Altersgruppe. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte auch eine Studie der Universität Zürich. Deren Recherchen zufolge ist das Unfallrisiko für über 80jährige Verkehrsteilnehmer sogar noch deutlich höher.

 

Beizeiten, ab einem Alter von etwa 65 Jahren, sollte man deshalb seine Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen. Dazu gehören Seh- und Hörtest bei einem Optiker bzw. Akustiker oder bei dem Hausarzt. Letztgenannter wird unter Umständen auch zu einer Überprüfung der Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit in der Lage sein. In größeren Städten finden sich zudem Begutachtungsstellen für die Fahreignung. Dort besteht die Möglichkeit des Gespräches mit einem Verkehrspsychologen zur Einschätzung der eigenen Fahrtauglichkeit und eine Überprüfung der Reaktionsfähigkeit mit Hilfe des Computers. Hör- und Sehtest finden dort ebenso statt. Der Betreffende wird über das Ergebnis dieser Untersuchung informiert. Er muss keine Entziehung seiner FE befürchten.

Hilfreich können schließlich Auffrischungskurse für Senioren in Fahrschulen sein. Dort kann nicht nur das theoretische Wissen aufgefrischt bzw. aktualisiert werden, auch Fahrsicherheitstrainingsmaßnahmen werden angeboten. Dies beinhaltet u. a. Bremsmanöver, Lenkübungen und Reaktionstest an realen Hindernissen, wie z. B. Wasserfontänen. Alle diese Maßnahmen sind zwar mit Kosten verbunden, die jedoch in keinem Verhältnis zu dem Aufwand stehen, der im Falle eines Unfallschadens vor dem Hintergrund altersabhängiger Fahruntauglichkeit entstehen kann. Kommt bei einem Unfall gar ein Mensch zu Schaden, droht ein Strafverfahren und bei Verurteilung eine Geldstrafe, schlimmstenfalls eine Haftstrafe. Man kann auf dem Schaden an seinem eigenen Fahrzeug sitzen bleiben. Und schließlich kann ein auffälliger Unfallverlauf unter Beteiligung eines älteren Verkehrsteilnehmers Anlass für die Straßenverkehrsbehörde sein, Maßnahmen zur Feststellung der Fahreignung des Betreffenden zu treffen, etwa in dem die Auflage ergeht, ein medizinisch-psychologisches Gutachten einzuholen. Wird dieses mehrere 100,00 € teure Gutachten nicht fristgerecht beigebracht, führt dies zur Entziehung der FE.

Auch zum Teil kleinere Maßnahmen können die Sicherheit im Straßenverkehr, gerade auch für ältere Verkehrsteilnehmer, erhöhen. So sollten Brillengläser und die Frontscheibe des Fahrzeuges stets sauber gehalten werden, um die Sicht nicht zu beeinträchtigen. Ein zusätzlicher Rückspiegel ist geeignet, den sogenannten toten Winkel zu entschärfen, falls der Schulterblick Probleme bereitet. Viele moderne Autos sind mit einer elektronischen Einparkhilfe ausgestattet oder ausrüstbar, die durch akustische Warnung auf Hindernisse beim Ein- und Ausparken aufmerksam macht. Notfalls sollte dann das Radio ausgestellt werden, damit der Warnton hörbar ist. Auch die Wahl eines Fahrzeuges mit guter Rundumsicht, Automatikgetriebe und weiteren elektronischen Helfern wie z. B. Spurhalterassistent, Tote-Winkel-Warner, Abstandsradar oder automatisches Notbremssystem können zur Verkehrssicherheit beitragen.  

 

Es ist auf jeden Fall besser, sich rechtzeitig mit der eigenen Fahrtüchtigkeit zu beschäftigen, bevor andere darüber entscheiden oder sich eine etwaige Fahruntüchtigkeit aufgrund eines Unfalles, womöglich mit Personenschaden, offenbart.

 

Stand 09/2013

 

 
   
 
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