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Autor:
Michael Schulze
 
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Kindesunterhalt und Ausbildung

 

Eltern sind ihren Kindern gegenüber zum Unterhalt verpflichtet. Wie lange und unter welchen Voraussetzungen aber besteht diese Verpflichtung?

Ein minderjähriges Kind, das noch die Schule besucht, hat Anspruch auf Unterhalt. Nichts anderes gilt unter diesen Umständen auch für ein volljähriges Kind. Leben die Eltern des Kindes zusammen, leisten sie diesen Unterhalt gemeinsam. Sind sie getrennt oder geschieden, erfolgt die Unterhaltsleistung desjenigen Elternteils, bei dem das minderjährige Kind seinen Lebensmittelpunkt hat, in Gestalt von Betreuung, also Kochen, Waschen, Hilfe bei Hausaufgaben und sonstigen umsorgenden Tätigkeiten. Mit diesen Betreuungsleistungen erfüllt der Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung dem Kind gegenüber. Der andere Part, in dessen Haushalt das Kind nicht seinen Lebensmittelpunkt hat, muss die Geldmittel beisteuern, die an den betreuenden Elternteil zu zahlen, von ihm zu verwalten und für die Lebensbedürfnisse des Kindes einzusetzen sind.

Ist das Kind schließlich volljährig und unterhaltsbedürftig, entfällt der Betreuungsunterhalt, da ein volljähriges Kind im juristischen Verständnis nicht betreut werden kann. Seine Eltern haben dann beide zum sogenannten Barunterhalt nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel beizutragen.

Das Recht des Kindes auf Unterhalt korrespondiert mit dessen Pflicht sich ausbilden zu lassen, und zwar für minderjährige und volljährige Kinder gleichermaßen. Das volljährige Kind hat unverzüglich nach Beendigung der Schule eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Entscheidet sich ein volljähriger frischer Schulabgänger erst einmal die Welt kennen zu lernen, kann er nicht auf die Großzügigkeit seiner Eltern vertrauen. Dieses Abenteuer muss er notfalls selbst finanzieren. Die Ausbildung muss zielstrebig wahrgenommen und im Rahmen ihrer üblichen Dauer abgeschlossen werden. Ein Verstoß dagegen kann dazu führen, dass das Kind seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen gezwungen ist. Allerdings hat das Kind ein Recht auf Irrtum. Wer sich über die begonnene Ausbildung falsche Vorstellungen gemacht oder seine Fähigkeiten überschätzt hat, kann sich durchaus umorientieren. Auf die Umstände des Einzelfalles kommt es dabei an. Je früher diese Orientierungsphase beendet ist, desto eher ist es dem/den Unterhaltspflichtigen zuzumuten, eine zweite Ausbildung finanziell zu stemmen. Unterhaltsrechtlich, soweit finanzierbar, gehört auch ein zeitweiser Auslandesaufenthalt eines Studierenden dazu, soweit es der fachlichen Qualifikation bzw. den späteren Berufsaussichten dienlich ist. Die Ausbildungsobliegenheit des Kindes wird von einem Kontrollrecht der Eltern begleitet. Sie können die Vorlage von diversen Belegen verlangen, wie z. B. Zeugnissen, Teilnahmebescheinigungen etc. Grundsätzlich ist unterhaltsrechtlich nur eine Ausbildung geschuldet. Hiervon kann es allerdings Ausnahmen geben. Nimmt etwa ein Kind nach dem Abitur eine praktische Ausbildung auf und schließt sie ab, kann durchaus noch ein darauf aufbauendes Studium zum Umfang der Ausbildung gehören.

Für die Dauer des Wehrdienstes besteht in der Regel kein Anspruch auf Unterhalt. Der Wehrsold deckt den Bedarf des Betreffenden zumeist ab, weil er in der Kaserne freie Unterkunft und Verpflegung erhält, darüber hinaus kostenlose Heilfürsorge.

Ebenso wenig unterfällt das freiwillige soziale Jahr der elterlichen Unterhaltspflicht, es sei denn, die dortige Tätigkeit dient der Vorbereitung auf eine vorgesehene Ausbildung.

Den minderjährigen Schulabgänger trifft ebenfalls die Verpflichtung, sich beruflich ausbilden zu lassen. Anderenfalls kann auch er darauf verwiesen werden, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Dabei ist allerdings die Schulpflicht bzw. das Arbeitsverbot des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu beachten.

 

Stand 12/2012

 

 
   
 
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