deutsch _ dansk
 
   
   
   
   
   
 
 
Autor:
Ulrike Czubayko
 
Download als PDF-Datei
 
 >  zurück zur Übersicht

 

Paare ohne Trauschein

 

Immer mehr Paare – junge und auch ältere – leben aus unterschiedlichsten Gründen ohne Trauschein dauerhaft in nichtehelichen Lebensgemeinschaften miteinander, ohne dass eine Eheschließung derzeit oder längerfristig beabsichtigt ist. In den Jahren des Zusammenlebens kaufen sie allein oder gemeinsam Immobilien bzw. finanzieren diese gemeinsam, arbeiten manchmal im Geschäft des anderen mit oder geben wegen eines geborenen Kindes und durch vereinbarte Rollenverteilung ihre Arbeit auf. Wenn nach vielen Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens eine solche nichteheliche Lebensgemeinschaft auseinander bricht, sei es durch Trennung, Krankheit oder Tod, stellen sich viele Fragen und Probleme, die bei frühzeitiger Vorsorge und vertraglichen Vereinbarungen umgangen werden könnten, damit es später kein böses Erwachen gibt.

 

Hauskauf, Abzahlung von Schulden

Beim Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung sollte überlegt werden, ob beide als Miteigentümer kaufen und in das Grundbuch eingetragen werden, sei es zu gleichen oder unterschiedlichen Bruchteilen, oder als Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder aber ob nur einer von beiden alleine kauft. Kriterien hierfür können sein, wer die Immobilie finanziert, wer welches Eigenkapital einbringt, wie die Abzahlung eventueller Darlehen und die Rollenverteilung des Zusammenlebens geplant ist. Da es bei einer späteren Trennung keinen Zugewinnausgleich – wie unter Eheleuten – gibt, muss dies bei Erwerb einer Immobilie und auch bei gemeinsamer Schuldenabzahlung vorhandener Immobilien genau bedacht und vertraglich geregelt werden, damit nicht einer von beiden nach Jahrzehnten des Zusammenlebens leer ausgeht.

 

Mitarbeit im Geschäft des Anderen, Rollenverteilung

Gleiches gilt, wenn ein Partner bei dem anderen in dessen Geschäft unentgeltlich oder für geringes Entgelt mitarbeitet, ohne ausreichend in die eigene Rentenversicherung einzuzahlen oder sonstige Altersvorsorge treffen zu können. Möglicherweise wird auch die eigene Arbeitsstelle aufgegeben, um im Rahmen der gemeinsam getroffenen Rollenverteilung den Haushalt zu übernehmen und man begibt sich in die finanzielle Abhängigkeit des Anderen. Da ein Versorgungsausgleich, wie bei einer Scheidung nach Eheschließung beim Scheitern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, eben nicht stattfindet und es auch keine Unterhaltsansprüche gibt, sollten frühzeitig vertragliche Regelungen getroffen werden, damit man nicht später feststellen muss, dass man jahrelang im Betrieb des Partners fast umsonst mitgearbeitet oder seine eigene Arbeit im Interesse des Zusammenlebens aufgegeben hat und nun ohne Absicherung da steht.

 

Krankheit und Tod

Bei Krankheit oder Tod wird der nichteheliche Lebensgefährte von Gesetzes wegen wie ein fremder Dritter behandelt:

Im Krankheitsfalle erhält man keine Auskunft von Ärzten und Krankenkassen, da diese zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Nur wenn Vorsorgevollmachten existieren, kann ein nichtehelicher Lebenspartner für den Anderen im Krankheitsfall handeln und auch von den Ärzten und dem Pflegepersonal sowie von Krankenkassen die entsprechenden Auskünfte erhalten. Auch Bankangelegenheiten für den Anderen können nur dann geregelt werden, wenn entsprechende Vorsorgevollmachten oder Bankvollmachten bestehen.

Im Todesfall erbt der nichteheliche Partner von Gesetzes wegen nichts von dem Anderen. Wenn also kein Testament errichtet ist, in dem der Andere bedacht wird, geht der länger lebende Partner leer aus. Und auch wenn man sich gegenseitig durch Einzeltestamente bedacht hat, ist die Erbschaftssteuer zu berücksichtigen: Der nichteheliche Lebensgefährte hat wie sonstige „Fremde“ auch, nur einen Erbschaftssteuerfreibetrag von 20.000,00 € und muss wertmäßig größeres Erbe nach den hohen Steuersätzen der Steuerklasse III versteuern, was ihn in finanzielle Probleme bringen könnte, je nach dem was er geerbt hat (Immobilie, Nießbrauch, Wohnungsrecht, Geld etc.). Eine geerbte Immobilie muss wegen der hohen zu zahlenden Erbschaftssteuer möglicherweise verkauft werden, wenn nicht ausreichende Barmittel zur Verfügung stehen.

 

Da es bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften eben nicht, wie bei Heirat und Scheidung, den Zugewinnausgleich, den (Renten-) Versorgungsausgleich und Unterhaltsansprüche gibt, sollten Paare ohne Trauschein, die über lange Zeit zusammenleben, rechtzeitig Vorsorge treffen und sich durch individuelle Verträge, Vollmachten und Testamente gegenseitig absichern.

 

Stand 03/2013

 
   
 
  Sitemap Impressum Hinweis nach § 36 Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG)